- Bastei-Verlag, ca. 2.000 cryptics für diverse Rätsel-Zeitschriften (insgesamt 16 Jahre)

- RTL „Freitag Nacht News“, Autor 5. Staffel (2001)

- Sketch-Autor für Kalle Pohl (2005)

- VOX, „Wildes Kinderzimmer“, Autor Off-Texte (2006)

- WDR, „Pinguin, Löwe und Co“, Autor Off-Texte (2006)

- Comedy-Programm "Alles ist immer irgendwie" (2012)

Stilprobe: Glosse "Kohlensäure"

Im Gegensatz zur Zitronensäure, die unmittelbar aus Zitronen gewonnen werden kann, ist es nicht möglich, Kohlensäure aus Kohlen zu extrahieren. Sollten Sie also bei sich zuhause Steinkohle, Braunkohle, Koks oder Briketts züchten, so wird es Ihnen nicht gelingen, ihre kleinen Zöglinge zu melken oder ihnen in anderer Weise die begehrte Säure zu entziehen.

Bereits im 18. Jahrhundert versuchte Jonathan E. Alteisen, die damals in Medizinerkreisen häufig angewandte Methode des Schröpfens auf Kohlestücke zu übertragen. Seine nach 41 Jahren eingestellten Versuche endeten mit der schlichten, jedoch wissenschaftlich gesicherten Feststellung:

 

"Kohle zeiget sich der Kunst des Schröpfens gegenüber resistent. Dass Kohlensäure ihr entweiche auf solchem Wege, dergleichen nie gesehen ward."

 

 Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte der Schotte James Watt, durch gezielte Erhitzung die Kohle zur Absonderung von Säure zu veranlassen. Auch diese Experiment scheiterten. Watts Erkenntnisse führten allerdings etwa 20 Jahre später zur Erfindung der Dampfmaschine.

Während der Vorbereitungen für den ersten bemannten Raumflug russischer Kosmonauten versuchte Iwan Iwanowitsch Jusslow, die Kohlensäuregewinnung mittels Zentrifugalkraft voranzutreiben. Er plazierte daher in jener Zentrifuge, in der die künftigen Piloten der Sojus-Raketen auf den Raumflug eingestimmt wurden, etliche Brocken von Stein- und Braunkohle. Die Resultate waren ernüchternd. Nicht nur, dass kein Gramm Kohlensäure den Versuchsobjekten entwich, nein, auch die schneeweißen Raumanzüge der Kosmonauten waren für die Dauer mehrerer Wochen verschmutzt durch schwarze Kohlepartikel, die auch durch heftiges Bürsten nicht zu entfernen waren.

Um vom Debakel der russischen Wissenschaftler abzulenken, veröffentlichte der Kreml umgehend eine Studie, die zu dem Schluss kam, dass es aus sowjetischer Sicht so etwas wie Kohlensäure gar nicht gäbe, sondern dass diese eine Erfindung der kapitalistischen Westmächte sein.

Dies wiederum verunsicherte die deutschen Bierbrauer, die ein in seiner Stärke variierendes, jedoch grundsätzlich vorhandenes Kohlensäureaufkommen in ihren Produkten feststellten. Eilig verfassten sie ein Manifest, in dem dargelegt wurde, dass Kohlensäure sehr wohl existiere. Man wisse zwar nicht, wie, jedoch käme sie irgendwie in das Bier hinein.

Dieses Dokument lehnte der Kreml – wahrscheinlich zu Recht – als „unwissenschaftlich“ ab.

 Daraufhin meldete sich eine bekannte, US-amerikanische Brausefirma zu Wort und fragte lapidar an, ob die russische Regierung tatsächlich so naiv sei anzunehmen, dass das Vorhandensein von Kohlensäure in ihrer schwarz-braunen (also kohlefarbenen) Limonade ein Zufall sei.

Diese konzertierte deutsch-amerikanische Aktion erregte als „Bier-Cola-Koalition“ einiges Aufsehen, geriet jedoch durch die nachfolgenden Ereignisse schnell in den Hintergrund des öffentlichen Interesses: Als Antwort auf das sogenannte „imperialistische Lügen-Pamphlet“ schoss Russland nämlich die Hündin „Laika“ in den Weltraum und behauptete, die Außensensoren der Sputnik 1 hätten weder innerhalb der Stratosphäre noch im Weltall Kohlensäurepartikel aufspüren können.

Dieses in den Geschichtsbüchern als „Sputnik-Schock“ verzeichnete Ereignis wird in neuerer Zeit ungerechtfertigterweise politisch gedeutet und dem Rüstungswettlauf innerhalb des Kalten Krieges zugeordnet. Tatsache jedoch ist, dass der Kreml verzweifelt nach einer Möglichkeit forschte, ebenfalls ein Cola-Getränk herstellen zu können.

 

Ungeachtet aller wissenschaftlichen Bemühungen in Ost und West war es zwischenzeitig dem Eifler Tüftler Hannes Maarmann gelungen, einige männliche Kohlensäure-Moleküle, die er aus bayerischem Weizenbier extrahiert hatte, mit weiblichen Molekülinnen aus Pilsener Bieren zu verpaaren. Er stellte fest, dass als Nährlösung ein Mineralwasser aus Daun die idealen Bedingungen für eine Fortpflanzung bot. In unveröffentlichten Arbeitsnotizen nannte er diese Lösung „Rülpswasser“.

 

Den Rest, meine Damen und Herren, kennen Sie alle: Die sogenannte „Dauner Entdeckung“ machte klar, dass Kohle zur Gewinnung von Kohlensäure entbehrlich war. Mehr und mehr Minen und Hütten wurden geschlossen, der Bergbau geriet in die größte Krise seiner Geschichte.

Maarmann wurde vom russischen Geheimdienst KGB entführt. Zwar wollten in Spangdahlem stationierte Agenten des CIA dies verhindern, jedoch setzten die Russen ihren Anspruch auf Maarmann durch – unter Verweis auf die amerikanische Kriegsbeute „Wernher von Braun“.

Nach drei Jahren Forschung an einem geheimen Ort bei Kaliningrad kehrte Maarmann wohlgenährt und guter Dinge in die Eifel zurück, wurde dort jedoch als „Russenkasper“ abgestempelt und fortan gemieden.

Er starb einsam und verbittert in Urft bei Kall.

 

Noch bis zum Verfall der Sowjetunion gegen Ende des 20. Jahrhunderts leugnete der Kreml das Vorhandensein von H²CO³. Zwar gab es in der UdSSR einige Getränke, die Kohlensäure enthielten, jedoch hielt sich deren Erfolg beim Verbraucher in engen Grenzen. Dem späteren russischen Präsident Boris Jelzin war die Kohlensäure sogar so verhasst, dass er nahezu ausschließlich Wodka zu sich nahm.

Im Westen jedoch setzte die Kohlensäure zu einem einzigartigen Siegeszug an. Immer mehr Freunde und Anhänger setzten in Hobbykellern und Wohnzimmern Kohlensäure-Kulturen an, bis schließlich die einsetzende Massenproduktion eine private Aufzucht unrentabel machte.

 

Nur vereinzelte Sonderlinge hegen heute noch ihre Lieblinge in Reagenzgläsern und Erlenmeyerkolben. Nostalgiker, denen eine artgerechte Haltung am Herzen liegt. Welch schöner Gedanke.